Forum-Unsinn

Ich glaube, das werde ich in diesem Leben nicht mehr verstehen. Es ist mir ein völliges Rätsel, wie anhand zweier ins Forum hochgeladener jpg’s jemand den Nachweis führen oder erkennen will, dass der Sensor oder das Obkjektiv der einen Kamera besser ist als der bzw. das der anderen.
Bin heute mal wieder durch die diversen Markenforen geschlendert und stoße immer wieder auf dieselben Phänomene. Sagt einer, das Objektiv A ist phantastisch und viel besser als das Objektiv B. Erste Reaktion: das kann gar nicht sein, ich habe Objektiv B und das ist das beste (weil er es hat, Anm.d.Autors), zweite Reaktion: lade mal Bilder hoch, damit wir was sehen. Wie bitte? Beurteilung anhand fremder Bilder, von denen keiner weiß, was da für Softwaren rübergezogen wurden?
Besonders schlimm ist das, wenn neue Superapparate auf den Markt kommen. Dann gibt es Zeitgenossen, die sich zuhause hinsetzen, ihre nun „alte“ Kamera in die Hand nehmen und anfangen zu heulen, denn jetzt ist ja was besseres da (was auch immer das heißen mag). Hatte hier von einem gelesen, der richtig erleichtert war, dass er bei der neuen Sony A7r, einem Pixelbiest mit 36mp, bei 6400 ASA in der 100%-Vergrößerung einer Aufnahme in der Dämmerung am Rand Rauschen entdecken konnte. Also echt, Sony, geht gar nicht und außerdem ist die Kamera viel zu teuer.
Man kann sich nicht dem Eindruck verschließen, dass doch viele nur fotografieren, um die Qualität ihrer Kamera und der Objektive darstellen zu können, die dann pixelpeepend vor dem 27er Schirm sitzen und den Zoom auf 1000% drehen, um zu schauen ob’s irgendwo rauscht. Das sind die einen. Die anderen gehen auch nicht zum Bilder machen, sondern arbeiten sich durch die Menüs und die Anleitungen, um zu sehen, ob bei ISO-Automatik, Rauschunterdrückung auf mittel die Blitzsynchronisationszeit tatsächlich max eine 500stel ist, und ob bei ganz großen Raws, AFC und Dauerfeuer der Pufferspeicher der Kamera tatsächlich wie im Forum abwertend geschrieben schon bei 25 Aufnahmen aufgibt, wo doch der Prospekt 30 sagt.
So manche Zeitrgenossen sollte man daran erinnern, dass Kameras nur einen Zweck haben. Nämlich Bilder aufzunehmen, diese zu speichern, um uns später Freude damit zu bereiten.

Die Neue Macht: Sony RX100II und Panasonic Lumix GM1

Ich war heute auf dem Weihnachtsmarkt in Frankfurt, wo ja viel fotografiert wird. Frankfurt steht schließlich nicht umsonst auf Platz 4 der beliebtesten Touristenstädte in Deutschland. Man mag es kaum glauben. Eine Blitzstudie meinerseits vor Ort hat ergeben, dass die Kompaktkameras fast ganz verschwunden sind: die Leute halten sich ihr Smartphone vors Gesicht. Die Qualität der Telefone ist schon erstaunlich geworden wenn man sich vor Augen hält (buchstäblich), dass die Sensoren weniger als halb so groß sind wie der Fingernagel des kleinen Fingers. Auf der anderen Seite werden die Kameras mit verhältnismäßig großen Sensoren immer kleiner. Zwei der interessantesten Vertreter finde ich sind die Sony RX100 M2 und die brandneue Panasonic Lumix GM1.

131215_Sony_Lumix_1_001Die Sony hat ein fest verbautes Zeiss 28-100mm (KB), das bei tollen 1,8 startet. Die Lumix verfügt über die Möglichkeit, die Objektive zu wechseln; alle MFT-Objektive passen. Das mitgelieferte Objektiv ist neu für diese kleine Kamera gerechnet, geht schon von 24-64mm (KB) und startet bei moderaten 3,5. Beide Kameras sind aus Metall, rund 10cm breit, 5,6 hoch und 3,5cm tief und damit fast gleich klein, wobei die Lumix noch ein bisschen kleiner ist; sie wiegen beide aufnahmebereit so um die 270g . In die Hosentasche geht eher die Sony. Sie ist deutlich schmaler. Zum Fotografieren müssen beide Objektive ausgefahren sein. Beide haben WiFi, was ich inzwischen prima finde. Es gibt für beide Apps, mit denen die Kamera gesteuert und ausgelöst werden kann. Die Panasonic-App ist hier deutlich mächtiger und reagiert auch schneller als die von Sony, die da aber sicherlich nachziehen werden. Die Sony hat ein Klappdisplay, das der Lumix ist fest, dafür hat die Lumix ein Touchdisplay, auf dem man das Fokussierfeld mit der Fingerspitze verschieben und die Kamera auch auslösen kann, was ich begeistert nutze.

Der Hauptunterschied besteht im Sensor. Die Sony hat einen 1″ -Sensor (wie die Nikon 1) mit 20 MP, die Lumix einen fast doppelt so großen FT-Sensor mit 16 MP. Pixelpitch bei der Sony 2,4µm, bei der Lumix 3,4µm.

Von der Vollformat-Spiegelreflex kommend ist es geradezu verblüffend, was diese kleinen Dinger leisten. Auflösung satt, Rauschen ist eh kein Thema mehr. Die Lumix verbucht hier für sich leichte Vorteile, da sie die größeren Pixel hat. Klar ist bei 3200 ASA Rauschen feststellbar (wer braucht schon 3200 ASA, außer abends auf dem Weihnachtsmarkt?), nur ist das nicht mehr der vielfarbige Flickenteppich, der das Bild matschig macht, sondern erinnert eher an analoges Korn und stört den Bildeindruck nicht mehr im geringsten. Die Sony gleicht das mit dem um rund anderhalb Blenden schnelleren Objektiv aus. Was mich geradezu begeistert, ist die Geschwindigkeit und Zuverlässigkeit beim Fokussieren. Da braucht man mit halbdurchgedrücktem Auslöser nicht mehr zu warten, bis die Kamera fokussiert hat; einfach draufdrücken und das Bild ist scharf und gespeichert. Das hat klar DSLR-Profiniveau.

Die kleinen Kameragehäuse sind vollgepackt mit Funktionen, die das Leben einfacher und die Bilder interessanter und besser machen sollen. Die meisten habe ich wieder vergessen. Wie ich schon an anderer Stelle sagte, ich mache wenig an den Kameraeinstellungen. Wichtig ist, dass beide in Raw speichern können. Lightroom kennt beide Formate.

Das wird die Richtung sein, immer kleiner und immer leistungsfähiger. Sony zeigt das auch mit der 3000 Euro teuren RX1R, bei der sie einen Vollformatsensor in ein Gehäuse gepackt haben, das in alle Richtungen nur 10-15% größer ist als das der RX100. Die Kameras werden noch responsiver und der Kontrast-AF hat den Phasen-AF der DSLR was Geschwindigkeit und auch Trefferquote anbelangt, sowieso schon überholt. Ich glaube schon, dass die DSLR auch weiterhin vorallem im Profibereich gekauft wird, allerdings sagen Prognosen für 2013 schon Einbußen von 10% ggü. Vorjahr voraus. Es gibt hier: http://gizmodo.com/the-last-days-of-the-dslr-1465327158 einen vieldiskutierten Artikel dazu. Als größte „Gefahr“ werden die immer leistungsfähigeren Smartphones gesehen, die vorallem den Kompaktkameramarkt einbrechen lassen.

Die Kamerawelt wird sich verändern. Ich merke es ja bei mir selbst schon. Ich greife immer häufiger zur Systemkamera. Die ist genauso schnell, wenn nicht schneller, als meine Ex-D800, die Bilder lassen sich qualitativ kaum noch auseinander halten und obendrein macht es noch Spaß, mit den kleinen Apparaten zu fotografieren. Man wird sehen.

The New Beauty Sony A7, die Zweite

So, ich hatte sie in der Hand. Alle beide, die A7 und die große Schwester mit dem roten „R“, was für den fehlenden Tiefpassfilter steht. Ich war gestern bei Brenner in der Oberpfalz, der jedes Jahr passend zu Weihnachten eine Verkaufsmesse macht, auf der man/frau mit Produkten aller namhafter Marken herumspielen darf. „Testbilder“ habe ich keine gemacht. Ich bin überzeugt, dass das Ergebnis toll ist.

Die Kamera ist wirklich klein. Für meine Pranken fast zu klein, und sehr schmal, also ein geringes Auflagemaß. Das ist wohl auch der Grund, warum Sony betont, dass sie den Sensor „optimiert“, also angepasst haben, indem sie die Mikrolinsen auf den Pixeln (ich bin kein Experte) mehr nach innen positionieren, je weiter das Pixel außen sitzt. Also der Ausgleich für die Telezentrierung bei (Micro-)Four-Third. Aber die Lichtstrahlen haben so knapp hinter dem Objektiv bis zum linken und rechten Rand des Sensors schon einen weiten Weg und weiß der Himmel, inwieweit Sony da softwareseitig eingreifen muss. Software macht ja eh immer mehr. Es gibt immer mehr Kameras ohne Tiefpassfilter und das physikalisch halt vorgegebene Moiré muss somit weggerechnet werden. Sony betont auch sehr, dass der 36er Sensor in der „R“ nicht der gleiche ist wie in der D800, schon wegen der versetzten Linsen; das Auflagemaß bei einer D800 ist auch deutlich größer.

Wie schon anderswo beschrieben, machen beide ziemlich Lärm beim Auslösen. Die „R“ mehr als die Kleine. Hat was mit dem Verschluss zu tun. Bei der „R“ laufen die beiden Vorhänge nacheinander los, was zu dem vernehmlichen Doppelklack führt. Die kleine A7 hat irgendwie einen mehr elektronischen und damit leiseren Verschluss. Man mags oder eben nicht. Mich stört’s nicht (eine Nikon F3 mit angesetztem Motor und volle Kanne macht Musik :-)) Für Hochzeitsfotografie in der Kirche ist das jedoch eher ein Stimmungskiller.

Sony ist geradezu stolz darauf, dass der User (vulgo Kunde) jede Taste frei belegen kann, sich die Kamera also bedienungsseitig individuell gestalten kann. Finde ich eher verwirrend und für mich jetzt kein Pro. Ich brauche ein halbes Dutzend Funktionen oft, und dafür hätte ich gerne vorbelegte Tasten und Schluss. Klasse ist daher das  Belichtungskorrekturrad (uh langes Wort) oben rechts genau in Daumenreichweite. Die benutze ich sehr oft. Hier gehts ohne die Kamera absetzen zu müssen. Aber sonst habe ich es nicht so damit, mich vor dem ersten Bild lange hinzusetzen, um der Kamera zu erzählen wer ich bin und was ich von ihr will. Das muss in etwa so gehen: Akku rein, Datum und Zeit einstellen, ISO einstellen, Raw einstellen, Karte formatieren, Modus auf Zeitautomatik und los gehts. Wegen Raw brauche ich auch nicht die ganzen Automatiken zu finden, die werksseitig eingestellt sind, um die Jpegs schön zu machen. Aber ich schweife ab.

Über die Geschwindigkeit beim Scharfstellen kann ich nur sagen, dass sie beide schon sehr schnell sind. Die Kleine soll etwas zügiger vorgehen, was am Hybrid-AF liegt, wogegen die „R“ nur einen Kontrast-AF hat. Soll sich hauptsächlich bei bewegten Motiven bemerkbar machen, also eher für Äkschenfotografen von Bedeutung. Ich fand sie beide schnell. Man probiert das ja dann, indem man vor dem Stand steht und mit der Kamera am Auge wie ein Vogel den Kopf ruckartig in verschiedene Richtungen bewegt, nah, fern, hell, dunkel, wenig Kontrast,… und auf den Auslöser drückt. Ob sie jetzt 2 Zehntel langsamer ist als die Oly oder so spielt für mich jedenfalls keine Rolle. Wichtig für mich ist, dass ein AF auch bei miesem Licht genauso schnell regiert wie bei gutem Licht. Nichts ist ärgerlicher als ein im Halbdunkel vor und zurück pumpendes Objektiv und das Motiv des Jahrhunderts verschwindet.

Der elektronische Sucher (Sucher stehen in meinen Lastenheften immer ganz oben) ist klasse. Hell, ruckelfrei und für mich mit der Brille auch ganz überschaubar. Das Display hinten lässt sich kippen, aber nicht verschwenken. Hat Sony wohl weggelassen, weil dann die Kamera dicker geraten wäre. Für mich nicht tragisch. Schade, dass es kein Touchscreen ist, auf dem man auch den Fokuspunkt frei wählen und auch auslösen kann. Habe ich zu schätzen gelernt, wenn es diskret zugehen muss. Aber der Krach des Auslösers…?

Tja, was soll ich sagen? Eine tolle Kamera mit einer Performance, die sich hinter keiner klassichen DSLR verstecken muss. Die Zeiss-Objektive sind sicherlich wie gewohnt erste Sahne. Ich schätze mal, dass sie noch mehr als die D800 optimale Objektive braucht. Zum einen natürlich wegen der 36 mp, zum anderen aber bestimmt wegen des geringen Auflagemaßes. Und die Objektive werden alle teuer sein. Vielleicht ist deswegen die Kamera vergleichsweise preiswert. Sie hat jetzt bei mir nicht das gefürchtete „Haben-Will“-Gen in Aufruhr versetzt. Genauso wenig wie übrigens die neue Nikon Df, was eine eigene Geschichte wäre, wenn mich die Kamera angesprungen hätte. Käme ich jetzt in die schöne Verlegenheit, ein System neu aufbauen zu dürfen, dann käme Sony bestimmt in die erste Wahl.