3 Generationen Handbelichtungsmesser

Sie werden kaum noch benutzt, sitzen heute unauffällig, softwaregestützt und hochleistungsfähig in den Kameras und haben mich schon immer fasziniert. Auch deshalb, weil ich mich mit Belichtungsmessung recht intensiv auseinander setze und das Thema spannend finde. Ihr wisst, Ansel Adams‘ Zonensystem et al.

Belichtungsmesser sind – wer hätte das gedacht? – ein bisschen jünger als die Photografie selbst, aber auch nur ein bisschen. Schon im 19. Jh. wurde versucht, die damals laaaangen Belichtungszeiten in den Griff zu bekommen.

Belichtungsmesser GenerationenWas Ihr auf dem Bild seht, umfasst 60 Jahre Belichtungsmesserbau.    3 Generationen deshalb, weil wir 3 Messzellenkonzepte haben.

Die beiden ältesten sind die kleinen chromfarbenen links im Bild. Der kleinere von beiden ist ein Metraphot 2 von 1954. Er wurde in den Blitzschuh der Kamera geschoben und die Messergebnisse von Hand auf die Kamera übertragen. Das Drehrad oben drauf ist etwa so groß wie eine 5 DM-Münze. Der größere darüber ein Leicameter MC, das, obwohl Leica im Namen, wie der Metraphot von der Firma Metrawatt in Nürnberg gebaut wurde. Das Leicameter ist von 1955, wurde auf einer Leica M in den Blitzschuh geschoben und mit dem daneben liegenden Zeitwahlrad gekoppelt. Die Blende musste händisch aufs Objektiv übertragen werden. Beide haben eine Selenmesszelle. Die ersten Selenbelichtungsmesser stammen aus dem Beginn der 30er Jahre. Sie brauchen keine Batterie. Wenn Licht auf die Selenzelle fällt, fließt Strom, der ein Drehspulinstrument antreibt, an dem ein Zeiger hängt. Um möglichst viel Licht zu fangen, sind die Messzellen groß und füllen fast eine Fläche des Gerätes aus. Die Messung geht sehr laaaangsam und es dauert, bis sich der Zeiger mal in Bewegung setzt. Mit dunklen Motiven können sie nichts anfangen. Selenzellen altern, die beiden hier gehen aber noch. Sie saßen mal auf Leicas M2 und M3. Zum Blitzen mussten die Herrschaften den Blitzschuh räumen.

Die beiden fetten Teile in der Mitte sind Gossen Lunasix 3, reine externe Handbelichtungsmesser, die auch nirgends aufgesteckt werden. Der Profi hängt sie sich an einer Kordel um den Hals oder hat sie griffbereit in der Brusttasche verstaut 😉 . Der Lunasix war das Flaggschiff von Gossen (die es heute noch gibt) und kam 1960 als 1er Version auf den Markt. Die beiden 3er hier stammen aus dem Zeitraum 1966 bis 1970 und galten lange als das Maß der Dinge. Sie haben eine CdS-Messzelle (Cadmium-Sulfid). Sie braucht eine Batterie zum leben, ist dafür aber schön klein. Die Messungen gehen sehr schnell, und der Empfindlichkeitsbereich ist deutlich größer als bei Selen. Der Lunasix hat dafür 2 umschaltbare Messbereiche und verkraftet so auch dunkle Motive. Dafür brauchen CdS-Zellen Erholung, wenn sie mal unvorsichtigerweise durch direktes Reinschauen in die Sonne geblendet werden. Die Messzelle hat einen Blickwinkel von 30°: stellt Euch vor der Messöffnung einen Kegel mit diesem Öffnungswinkel vor. Durch Vorsätze konnte der Messwinkel verändert werden, bis hin zur Spotmessung von nur wenigen Grad. Am schwarzen Gerät erkennt Ihr die Kalotte, die für die Lichtmessung vor die Messöffnung geschoben wird. Die passende Bedienungsanleitung könnt Ihr übrigens immer noch als pdf bei Gossen runterladen. Sie ist lesenswert. Die beiden guten Stücke hier funktionieren noch prima, sind allerdings für die umwelttechnisch verbotenen Quecksilberknopfbatterien mit 1,35V ausgelegt. Es gibt erlaubte Generika, die s..teuer sind, oder über ein noch teureres Zwischenstück adaptierbare 1,5V Alkaliknöpfe.

Ganz rechts liegt aktuelle Ware: Gossen Digipro F. Das „F“ steht für „Flash“, d.h. Du kannst Blitzlichtmessungen machen, was bedeutet, dass er richtig schnell ist. Es gibt inzwischen einen F2, der aber nur eine feinere Blendenabstufung hat. Den Digipro nehme ich mit, wenn ich in Gebäuden photografiere. Diese hier sind nach der Messung des Digipro entstanden. Er hat als Messzelle eine moderne Silicium-Photodiode (sbc). Der Digipro ist ein Computer und vollgestopft mit Funktionalitäten und Messmethoden, mit denen ich mich mal beschäftigen sollte, nur um zu sehen, ob ich etwas daraus gebrauchen kann. Er ist blitzschnell (im wahrsten Sinne des Buchstaben „F“), digital anzeigend und deutlich robuster als die älteren, viel mechanischeren Familienmitglieder mit den Drehspulinstrumenten und Zeigern. Messwinkel auch 30°.

Tja, was mache ich damit? Eigentlich brauchen wohl nur noch Leute im Studio externe, also nicht in der Kamera verbaute und gekoppelte Belichtungsmesser. Ich benutze ihn gerne – wie schon oben erwähnt – wenn ich extreme Belichtungssituationen habe. Zum Beispiel in der Klosterkirche (da ist Stativ erlaubt) mit hohen Kontrasten, die durch helle Fenster und dunkle Ecken verursacht werden. Dann wähle ich auf dem Stativ meinen Ausschnitt und laufe mit meinem Gossen das Motiv ab, messe hier und da und entscheide mich für eine ISO/Blende/Zeit-Kombination. Oder ich experimentiere bei hohen Kontrasten und viel Spitzlichtern mit der Lichtmessung.

Mir macht das Spaß :mrgreen:  Das ist geruhsames, sehr bewusstes Photografieren.