Rückfällig geworden: die kleine Nikon D3200

Eigentlich hatte ich das Thema DSLR ja konsequent abgehakt, und alles dahingehende zugunsten der spiegelfreien Sony A7 versilbert. Aber die Kleine hier fiel mir bei meinem allsamstäglichen Abarbeiten der Einkaufsliste meiner besseren Hälfte im Supermarkt auf dem Weg zu den Waschmitteln praktisch in den Einkaufswagen. Sie stand ganz vorne und in Augenhöhe in der Vitrine mit allen elektronischen Einzel- und Restposten zwischen lauter Telefonen und hat mit dem Preisschild ganz laut gerufen: Kauf‘ mich!. Der Schnäppchenjäger in meinem limbischen System hat hellwach übernommen. Nigelnagelneu, mit Kitglas, originalverpackt im ungeöffneten Karton und weniger als halb so teuer wie etwa beim großen A bis Z-Fluss: Nikons low-budget D3200. Der Produktzähler steht bei Nikon aktuell bei 3400, die 3500 geistert durch die Gerüchteküchen. Das gute Stück stammt aus dem Frühjahr 2012, ist also nicht mehr ganz knusprig, was jedoch völlig nebensächlich ist. Sie war das erste 3er-Modell mit 24 MP auf dem APS-C-Sensor, womit sie um ganze 10 MP ggü. dem Vorgänger zugelegt hat. Sie ist wunderbar klein, wegen des Spiegels etwas füllig am Bauch, sie hat einen Blitz auf dem Kopf und sie ist leicht, so dass sie beim Flanieren am rechten Handgelenk baumelt.

D3200 mit Nikkor 35/1,8 DXAls sie so im Einkaufswagen zwischen den Bananen, den Erdnußflips und den Taschentüchern lag, und die Vorfreude wuchs, schwante mir schon Böses. Denn mir fiel flugs das formidable Nikkor 35/f1,8 DX ein, das unverschämt gut und unverschämt preiswert ist. Um es abzukürzen, ich habe es mir nach erfolgreicher Abnahme meines sonstigen Einkaufs direkt beim großen Fluss geschossen. Ich liebe diese Kombo, und übrigens legt Nikon die Sonnenblende zum Objektiv dazu *like*. Ich habe auch hier darüber geschrieben https://www.facebook.com/stephan.vogt.710/posts/615266695318821?pnref=story . Über die Qualitäten der Linse brauche ich mich nicht auszulassen. Sie sind exzellent. Punkt.

Aber die Geschichte ist noch nicht zu Ende, man/frau ahnt es. Mit dem 35er sind’s an der Crop-Nikon rund 50 mm kleinbild-äquivalent. Ich habe es als oft-drauf gerne ein bisschen telig, z.B. 85 mm. Das schon etwas ältere 50 mm AF-Nikkor, das ich habe, und das mit cropbereinigten 75mm passen würde, fliegt dummerweise an der kleinen Nikon nicht, da es keinen eigenen AF-Motor hat: ein „Stangen-AF“ also, und die low-budget Nikons eben auch keinen dann notwendigen eigenen AF-Motor („Schraubenzieher-AF“) haben. Ich war wirklich nicht auf der Suche, aber irgendein Dämon hat mir das Yongnuo 50/1,8 auf den Bildschirm gespült. Das fürs Vollformat gerechnete AF-Objektiv kam vergangenes Jahr auf den Markt und fiel zum einen durch den Preis auf, und zum anderen dadurch, dass es einem Canon Fuffzger wie aus dem Gesicht geschnitten war. Du kannst das gute Stück für Canonbajonetts für knapp 50 Euronen erstehen.

D3200 mit Yongnuo 50/1,8 vierFür Nikon gibt es eine weitere Version, die nicht mehr wie ein Canon aussieht und mit derzeit 98 Euro weniger als die Hälfte des Originals von Nikon kostet. Das Bajonett ist trotzdem aus Metall, eine Sonnenblende gibt es nicht im Paket. Ah, nicht tragisch, 58 mm Filterdurchmesser habe ich als wunderbar nostalgische Gummisonnenblende in der Schublade. Sie kann immer drauf bleiben, denn sie bekommt nach getaner Arbeit einen Klaps vorne drauf und dann nimmt sie keinen Platz mehr in der Tasche weg.

D3200 mit Yongnuo 50/1,8 einsEs wirkt gar nicht mal so übel in  der Hand und geht mit ein bisschen Nachdruck auf die Kamera. Ich habe auf dem Stativ ein paar „Testbilder“ mit unterschiedlichen Blenden gemacht. Das Bild ist bei 100% am 27er Schirm bis 5,6 fluffig-weich, und die Ecken taugen für große Vergrößerungen nichts, ab 5,6 ist einschließlich der Ecken alles scharf. Offenblendig ein prima Portraitpaket. Der eingebaute AF-Motor informiert lautstark über seine Arbeit, Fokussieren ist kein Geheimnis mehr. Das Objektiv geht preis-leistungsmäßig für die kleine Crop-Nikon völlig in Ordnung. An der Vollformat-Nikon könnte es allerdings problematisch werden. Wenn die Ecken beim Crop offenblendig schon heikel sind, dann wird’s beim großen Sensor eher übel. Vielleicht klemme ich die Linse mal an die Vollformat-Sony, den passenden Adapter habe ich ja.

Adapter an der Sony Teil V

Und wieder geht es um die Sony A7II. Ich war auf der Suche nach einem schnellen 35 mm Objektiv, eine Brennweite, für die ich mich mehr und mehr begeistere. 35 mm an z.B. der Leica sind großartig.

Sigma Art 35mm f/1,4

Sigma Art 35mm f/1,4

Sony selbst bietet das f/2,8er, aber Sigma das Art 35/1,4. Allerdings nicht mit E-Anschluss, sondern A. Hierfür aber hat Sony vorgesorgt und den Adapter LA-EA3 bereitgestellt, der A-Objektive mit eigenem AF-Motor sauber an die A7 adaptiert. Es gibt noch den LA-EA4, der Objektive ohne eingebauten AF-Motor verdaut, da er ein eigenes AF-Modul hat. Er redet vollständig (AF, Belichtung,…) mit Objektiv und Kamera. Das 35er ist mit 665g ein Brocken und wird mit Adapter und Sonnenblende auch ziemlich lang. Der Adapter muss schließlich mehrere Zentimeter Auflagemaß überbrücken. Vor die mit 67 mm Filterdurchmesser große Frontlinse habe ich als Übervorsichtiger ein Heliopan Protectionfilter geschraubt. Ich schrubbe lieber auf Glas als auf der Linse.

Passend zu diesem Ensemble habe ich mir noch das Sigma Art 24-105 mm f/4 gegönnt. Ebenfalls A-Bajonett und mit LA-EA3 an die A7 adaptierbar. Es hat in eingefahrenem Zustand bei 24 mm etwa die Ausmaße des 35ers, ist allerdings bei 82 mm Filterdurchmesser deutlich dicker und mit 885 g auch über 200 g schwerer.

Sigma Art 24-105mm f/4 bei 24mm

Sigma Art 24-105mm f/4 bei 24mm

Sigma Art 24-105mm f/4 bei 105mm

Sigma Art 24-105mm f/4 bei 105mm

 

 

 

 

 

 

 

Ich finde diesen Brennweitenbereich sehr praktisch, besonders bei Hochzeiten, wo du z.B. blitzschnell nach einen Bild mit mehreren Personen mit Weitwinkel ein Einzelportrait mit 105 mm nachschieben kannst. Auch auf Reisen decken die Brennweiten sehr viel ab.

Über die Qualitäten beider Objektive ist genug geschrieben worden. Mit einem mit einem Wort: astrein, auch das 35 mm mit offenen f/1,4. Der AF ist bei beiden Objektive nicht langsamer als bei „nativen“ Sony E-Objektiven.

AF-Bereich mit LA-EA4

AF-Bereich mit LA-EA4

Der Adapter führt allerdings zu einer Einschränkung. Es sind nicht alle AF-Sensoren auf dem Sensor ansprechbar, und nicht alle AF-Feldeinstellungen sind möglich. Der Fokussierbereich konzentriert sich auf die Mitte auf ein definiertes Feld (die schwarzen „Klammern“ links und rechts im Bild links), innerhalb dem das AF-Feld verschoben werden kann. Außerhalb geht nichts. Das wusste ich vorher nicht. Es stand auch nirgendwo etwas darüber geschrieben. Hätte mich allerdings nicht vom Kauf der Objektive abgehalten. Das ganze ist für mich auch nicht tragisch; ich bin ein Verschwenker. Das abgebildete orangene AF-Feld in der Mitte lässt sich in der Größe ganz normal verstellen. Das kleinste umfasst einen AF-Sensor; beim hier abgebildeten sind es deren neun (3×3).

Fazit: ich bin angetan von dem was die Objektive leisten. Einziger Nachteil ist wirklich das Gewicht und das Volumen an der zierlichen A7 und du hast immer das Gefühl, dass du die Kombination am besten am Objektiv festhältst damit das Bajonett nicht mit samt Objektiv herausbricht  😉 Sony hat dem Adapter hierfür in weiser Voraussicht eine Stativschelle verpasst, an die du aber nicht herankommst, wenn der Batteriegriff angeschraubt ist. Man kann halt nicht alles haben.