„Nur“ 12 MP in der Four-Third-Oly oder Auflösung wird kolossal überschätzt

Es hat aufgehört zu regnen, die Temperaturen bewegen sich im positiven Bereich und es herrscht eine neblig-düstere Stimmung draußen. Das sind genau die Randbedingungen, die ich mir gewünscht habe, um mal wieder dem Freilichtmuseum Hessenpark (guckst du hier: Hessenparkeinen längst fälligen Besuch abzustatten. Das letzte Mal war ich vor 6 Jahren dort, damals mit der Fuji S5, die ja die Nikon D200 im Bauch hatte. Sonntagmorgen um zehn, dann noch gemischtes Wetter, eigentlich müsste ich den Hessenpark für mich alleine haben. Die aktuellen Bilder sind hier.

Oly E-5 mit Zuiko 7-14mm

Ich wollte nur mit einem Objektiv los und das mit kräftigem Weitwinkel, und da kam mir meine 2011er Olympus E5 in den Sinn, zusammen mit dem tollen Zuiko 7-14 mm f/4. Das gute Stück ist eine normale DSLR mit 12 MP auf dem Four-Third-Sensor, ist dafür ziemlich groß, mit dem Batteriepack (wegen des Hochformatauslösers) sowieso, und das Objektiv ist auch nicht gerade zierlich. Gehäuse und Objektiv sind wassergeschützt, sollte also wider Erwarten doch noch der Regen kommen, sind die Kamera und ich gewappnet.

Nach all den Spiegellosen, mit denen ich in den vergangenen Monaten umgegangen bin, habe ich hier ein mächtiges Stück Digitalkamera in der Hand, mit „nur“ 12 MP, einem vergleichsweise sehr trägen Live-View, dafür aber ein in alle Richtungen dreh- und schwenkbares Display.

Warum schreibe ich diesen Post?

Die Überschrift deutet es mit dem „nur“ bereits an. Ich versuche, mir seit einiger Zeit ein eigenes Bild davon zu machen, wie wichtig oder sogar entscheidend die Auflösung des Sensors ist. Derzeit pendelt sich „Hochprozentiges“ bei Vollformat bei 36, bisweilen 42 und vereinzelt 50 MP ein, bei APS bei 24 MP und bei MFT und auch schon den 1-Zöllern bei 20 MP. Die kleineren Sensoren lasse ich mal weg. Bis auf die 42/50MP konnte ich zu den genannten Sensoren/Auflösungen Ergebnisse auf dem 27 Zoll Bildschirm begutachten. Und dazu natürlich meine 12 MPixler Oly E5. Begutachtung am Bildschirm wohlgemerkt, nicht ausgedruckt. Dann müsste ich auf mehr als DIN A2 gehen, um vielleicht einen Unterschied sehen zu können. Zu teuer und sooo wichtig ist es dann nun auch nicht. Im Vorbeigehen waren die Fortschritte beim Rauschen bei den (M)FT-Sensoren am deutlichsten sichtbar. Da kommt die Oly ab ISO 800 nicht mehr mit. Auf der anderen Seite sehe ich auch, dass sich das Rauschverhalten der Sensoren aller größeren Formate in den hohen ISO immer mehr annähert. Da die physikalischen Gegebenheiten der Sensoren zum Thema Rauschen nicht beseitigt werden können, wird also die Software immer besser, was ja nicht schlimm ist. Aber zurück zur Auflösung. Meine D800 hatte 36 MP, meine aktuelle Sony und die Leica M240 haben 24 MP und die Oly 12 MP. Bei den FF-Bildern sehe ich am 27-Zöller-Schirm formatfüllend keinen Unterschied, auch beim Reinzoomen nicht. Hängt natürlich auch vom Objektiv ab, aber ich denke doch, dass das Sigma 35 mm „Art“ die Grenzen eines 36er bzw 24er Sensors gut darstellen kann. Die Oly mit einer nur halb so großen Auflösung hat mich überrascht. Ich hatte eigentlich noch nie Kamerabilder verschiedener Kameras technisch verglichen, weil es eigentlich Blödsinn ist und die Ausgangsbedingungen zu unterschiedlich waren. Hier habe ich doch mal im Archiv nach 36 und 24MP Bildern mit vergleichbaren Voraussetzungen gekramt und die Bilder nebeneinander gehalten.

  • Die 36 MP haben für mich keinen verwertbaren Vorteil ggü. den 24 MP
  • Am Bildschirm kann man die Oly-Bilder nur identifizieren, wenn man weiß, welche Kameras mitspielen
  • Erst unrealistisches Reinzoomen macht Unterschiede sichtbar

Meine letzte Hochzeit habe ich mit der Sony A7II und der Panasonic Lumix FZ1000 fotografiert, und die Bilder bedenkenlos vermischt. Da sieht keiner die Unterschiede. Ich überlege ernsthaft, die nächste Hochzeit mit der Oly anzugehen. Da habe ich die beiden Sahnestückchen 7-14 mm und 12-60 mm. Solange ich nicht über 800 ASA muss geht das sicherlich prima.

3 Generationen Handbelichtungsmesser

Sie werden kaum noch benutzt, sitzen heute unauffällig, softwaregestützt und hochleistungsfähig in den Kameras und haben mich schon immer fasziniert. Auch deshalb, weil ich mich mit Belichtungsmessung recht intensiv auseinander setze und das Thema spannend finde. Ihr wisst, Ansel Adams‘ Zonensystem et al.

Belichtungsmesser sind – wer hätte das gedacht? – ein bisschen jünger als die Photografie selbst, aber auch nur ein bisschen. Schon im 19. Jh. wurde versucht, die damals laaaangen Belichtungszeiten in den Griff zu bekommen.

Belichtungsmesser GenerationenWas Ihr auf dem Bild seht, umfasst 60 Jahre Belichtungsmesserbau.    3 Generationen deshalb, weil wir 3 Messzellenkonzepte haben.

Die beiden ältesten sind die kleinen chromfarbenen links im Bild. Der kleinere von beiden ist ein Metraphot 2 von 1954. Er wurde in den Blitzschuh der Kamera geschoben und die Messergebnisse von Hand auf die Kamera übertragen. Das Drehrad oben drauf ist etwa so groß wie eine 5 DM-Münze. Der größere darüber ein Leicameter MC, das, obwohl Leica im Namen, wie der Metraphot von der Firma Metrawatt in Nürnberg gebaut wurde. Das Leicameter ist von 1955, wurde auf einer Leica M in den Blitzschuh geschoben und mit dem daneben liegenden Zeitwahlrad gekoppelt. Die Blende musste händisch aufs Objektiv übertragen werden. Beide haben eine Selenmesszelle. Die ersten Selenbelichtungsmesser stammen aus dem Beginn der 30er Jahre. Sie brauchen keine Batterie. Wenn Licht auf die Selenzelle fällt, fließt Strom, der ein Drehspulinstrument antreibt, an dem ein Zeiger hängt. Um möglichst viel Licht zu fangen, sind die Messzellen groß und füllen fast eine Fläche des Gerätes aus. Die Messung geht sehr laaaangsam und es dauert, bis sich der Zeiger mal in Bewegung setzt. Mit dunklen Motiven können sie nichts anfangen. Selenzellen altern, die beiden hier gehen aber noch. Sie saßen mal auf Leicas M2 und M3. Zum Blitzen mussten die Herrschaften den Blitzschuh räumen.

Die beiden fetten Teile in der Mitte sind Gossen Lunasix 3, reine externe Handbelichtungsmesser, die auch nirgends aufgesteckt werden. Der Profi hängt sie sich an einer Kordel um den Hals oder hat sie griffbereit in der Brusttasche verstaut 😉 . Der Lunasix war das Flaggschiff von Gossen (die es heute noch gibt) und kam 1960 als 1er Version auf den Markt. Die beiden 3er hier stammen aus dem Zeitraum 1966 bis 1970 und galten lange als das Maß der Dinge. Sie haben eine CdS-Messzelle (Cadmium-Sulfid). Sie braucht eine Batterie zum leben, ist dafür aber schön klein. Die Messungen gehen sehr schnell, und der Empfindlichkeitsbereich ist deutlich größer als bei Selen. Der Lunasix hat dafür 2 umschaltbare Messbereiche und verkraftet so auch dunkle Motive. Dafür brauchen CdS-Zellen Erholung, wenn sie mal unvorsichtigerweise durch direktes Reinschauen in die Sonne geblendet werden. Die Messzelle hat einen Blickwinkel von 30°: stellt Euch vor der Messöffnung einen Kegel mit diesem Öffnungswinkel vor. Durch Vorsätze konnte der Messwinkel verändert werden, bis hin zur Spotmessung von nur wenigen Grad. Am schwarzen Gerät erkennt Ihr die Kalotte, die für die Lichtmessung vor die Messöffnung geschoben wird. Die passende Bedienungsanleitung könnt Ihr übrigens immer noch als pdf bei Gossen runterladen. Sie ist lesenswert. Die beiden guten Stücke hier funktionieren noch prima, sind allerdings für die umwelttechnisch verbotenen Quecksilberknopfbatterien mit 1,35V ausgelegt. Es gibt erlaubte Generika, die s..teuer sind, oder über ein noch teureres Zwischenstück adaptierbare 1,5V Alkaliknöpfe.

Ganz rechts liegt aktuelle Ware: Gossen Digipro F. Das „F“ steht für „Flash“, d.h. Du kannst Blitzlichtmessungen machen, was bedeutet, dass er richtig schnell ist. Es gibt inzwischen einen F2, der aber nur eine feinere Blendenabstufung hat. Den Digipro nehme ich mit, wenn ich in Gebäuden photografiere. Diese hier sind nach der Messung des Digipro entstanden. Er hat als Messzelle eine moderne Silicium-Photodiode (sbc). Der Digipro ist ein Computer und vollgestopft mit Funktionalitäten und Messmethoden, mit denen ich mich mal beschäftigen sollte, nur um zu sehen, ob ich etwas daraus gebrauchen kann. Er ist blitzschnell (im wahrsten Sinne des Buchstaben „F“), digital anzeigend und deutlich robuster als die älteren, viel mechanischeren Familienmitglieder mit den Drehspulinstrumenten und Zeigern. Messwinkel auch 30°.

Tja, was mache ich damit? Eigentlich brauchen wohl nur noch Leute im Studio externe, also nicht in der Kamera verbaute und gekoppelte Belichtungsmesser. Ich benutze ihn gerne – wie schon oben erwähnt – wenn ich extreme Belichtungssituationen habe. Zum Beispiel in der Klosterkirche (da ist Stativ erlaubt) mit hohen Kontrasten, die durch helle Fenster und dunkle Ecken verursacht werden. Dann wähle ich auf dem Stativ meinen Ausschnitt und laufe mit meinem Gossen das Motiv ab, messe hier und da und entscheide mich für eine ISO/Blende/Zeit-Kombination. Oder ich experimentiere bei hohen Kontrasten und viel Spitzlichtern mit der Lichtmessung.

Mir macht das Spaß :mrgreen:  Das ist geruhsames, sehr bewusstes Photografieren.