Die Neue Macht: Sony RX100II und Panasonic Lumix GM1

Ich war heute auf dem Weihnachtsmarkt in Frankfurt, wo ja viel fotografiert wird. Frankfurt steht schließlich nicht umsonst auf Platz 4 der beliebtesten Touristenstädte in Deutschland. Man mag es kaum glauben. Eine Blitzstudie meinerseits vor Ort hat ergeben, dass die Kompaktkameras fast ganz verschwunden sind: die Leute halten sich ihr Smartphone vors Gesicht. Die Qualität der Telefone ist schon erstaunlich geworden wenn man sich vor Augen hält (buchstäblich), dass die Sensoren weniger als halb so groß sind wie der Fingernagel des kleinen Fingers. Auf der anderen Seite werden die Kameras mit verhältnismäßig großen Sensoren immer kleiner. Zwei der interessantesten Vertreter finde ich sind die Sony RX100 M2 und die brandneue Panasonic Lumix GM1.

131215_Sony_Lumix_1_001Die Sony hat ein fest verbautes Zeiss 28-100mm (KB), das bei tollen 1,8 startet. Die Lumix verfügt über die Möglichkeit, die Objektive zu wechseln; alle MFT-Objektive passen. Das mitgelieferte Objektiv ist neu für diese kleine Kamera gerechnet, geht schon von 24-64mm (KB) und startet bei moderaten 3,5. Beide Kameras sind aus Metall, rund 10cm breit, 5,6 hoch und 3,5cm tief und damit fast gleich klein, wobei die Lumix noch ein bisschen kleiner ist; sie wiegen beide aufnahmebereit so um die 270g . In die Hosentasche geht eher die Sony. Sie ist deutlich schmaler. Zum Fotografieren müssen beide Objektive ausgefahren sein. Beide haben WiFi, was ich inzwischen prima finde. Es gibt für beide Apps, mit denen die Kamera gesteuert und ausgelöst werden kann. Die Panasonic-App ist hier deutlich mächtiger und reagiert auch schneller als die von Sony, die da aber sicherlich nachziehen werden. Die Sony hat ein Klappdisplay, das der Lumix ist fest, dafür hat die Lumix ein Touchdisplay, auf dem man das Fokussierfeld mit der Fingerspitze verschieben und die Kamera auch auslösen kann, was ich begeistert nutze.

Der Hauptunterschied besteht im Sensor. Die Sony hat einen 1″ -Sensor (wie die Nikon 1) mit 20 MP, die Lumix einen fast doppelt so großen FT-Sensor mit 16 MP. Pixelpitch bei der Sony 2,4µm, bei der Lumix 3,4µm.

Von der Vollformat-Spiegelreflex kommend ist es geradezu verblüffend, was diese kleinen Dinger leisten. Auflösung satt, Rauschen ist eh kein Thema mehr. Die Lumix verbucht hier für sich leichte Vorteile, da sie die größeren Pixel hat. Klar ist bei 3200 ASA Rauschen feststellbar (wer braucht schon 3200 ASA, außer abends auf dem Weihnachtsmarkt?), nur ist das nicht mehr der vielfarbige Flickenteppich, der das Bild matschig macht, sondern erinnert eher an analoges Korn und stört den Bildeindruck nicht mehr im geringsten. Die Sony gleicht das mit dem um rund anderhalb Blenden schnelleren Objektiv aus. Was mich geradezu begeistert, ist die Geschwindigkeit und Zuverlässigkeit beim Fokussieren. Da braucht man mit halbdurchgedrücktem Auslöser nicht mehr zu warten, bis die Kamera fokussiert hat; einfach draufdrücken und das Bild ist scharf und gespeichert. Das hat klar DSLR-Profiniveau.

Die kleinen Kameragehäuse sind vollgepackt mit Funktionen, die das Leben einfacher und die Bilder interessanter und besser machen sollen. Die meisten habe ich wieder vergessen. Wie ich schon an anderer Stelle sagte, ich mache wenig an den Kameraeinstellungen. Wichtig ist, dass beide in Raw speichern können. Lightroom kennt beide Formate.

Das wird die Richtung sein, immer kleiner und immer leistungsfähiger. Sony zeigt das auch mit der 3000 Euro teuren RX1R, bei der sie einen Vollformatsensor in ein Gehäuse gepackt haben, das in alle Richtungen nur 10-15% größer ist als das der RX100. Die Kameras werden noch responsiver und der Kontrast-AF hat den Phasen-AF der DSLR was Geschwindigkeit und auch Trefferquote anbelangt, sowieso schon überholt. Ich glaube schon, dass die DSLR auch weiterhin vorallem im Profibereich gekauft wird, allerdings sagen Prognosen für 2013 schon Einbußen von 10% ggü. Vorjahr voraus. Es gibt hier: http://gizmodo.com/the-last-days-of-the-dslr-1465327158 einen vieldiskutierten Artikel dazu. Als größte „Gefahr“ werden die immer leistungsfähigeren Smartphones gesehen, die vorallem den Kompaktkameramarkt einbrechen lassen.

Die Kamerawelt wird sich verändern. Ich merke es ja bei mir selbst schon. Ich greife immer häufiger zur Systemkamera. Die ist genauso schnell, wenn nicht schneller, als meine Ex-D800, die Bilder lassen sich qualitativ kaum noch auseinander halten und obendrein macht es noch Spaß, mit den kleinen Apparaten zu fotografieren. Man wird sehen.