Meine photokina 2016

Ich bin nun schon lange eiserner photokinabesucher, und dieses Jahr durfte ich ja wieder mit Presseausweis hinein. Normalerweise fiebere ich schon Wochen vorher auf den Termin hin, aber dieses Jahr war es anders. Keine Vorfreude, keine Spannung. Ich habe es nicht verstanden, bis ich nach meinem Messetag gestern Abend im Auto auf der Heimfahrt saß und den Tag Revue passieren ließ.

Ich fand es einfach unspannend.

Das liegt nun nicht daran, dass man – noch mehr als in der Vergangenheit – schon wusste, was einen erwartet. Nein, es gab einfach keine Knaller. Klar ist Fujis Vorstoß ins digitale Mittelformat ein Highlight, genauso wie Hasselblads mittelformatige Spiegellose. Nur interessiert mich das halt weniger. Dafür gab es auffallenderweise Unmengen an Taschen-, Licht- und Stativausstellern. Unglaublich viele. Gerade was Stative anbelangt: wenn du mal an einer Kreuzung stehen geblieben bist, und an allen 4 Ecken waren Stative ausgestellt, waren sie alle schwarz und ein/dreibeinig und unterschiedlich hoch, was halt Stative so ausmacht. Da gibt es eben nur eine begrenzte Vielfalt, aber…wie machen das diese vielen Firmen, die mit dem gleichen Produkt konkurrieren? Bei den Lampen ist es ähnlich. Bei Taschen ist die Vielfalt dann doch deutlich höher, und da habe ich auch genauer hingeschaut, weil ich immer noch „meine“ Tasche suche, die ich aber wieder nicht gefunden habe.

Ich hatte natürlich all‘ die neuen Kameras in der Hand… und fand es langweilig. Natürlich mag es jemanden beeindrucken, dass man die Pentax K1 am Display festhalten und herumwackeln kann, oder dass Sonys neue A99II jetzt auch 42 MP hat wie ihre Schwester A7rII, oder die Olys und Panas schnelleres 4k und auch ein paar MP mehr haben wie Canons neue 5D nun auch. Aber: just another camera. Zweifelsohne sind das alles exzellente Kameras, die sich aber kaum noch voneinander unterscheiden und fast schon beliebig austauschbar sind, und eine schlechte Kamera gibt es heute bei den etablierten Herstellern nicht mehr. Ach ja, die überflüssigste Kamera? Canons spiegellose M5. Das ist ein neues System mit neuem Anschluss; Canons DSLR-Gläser innerhalb der Familie passen nur per Adapter. Dafür werden 1200 Euronen aufgerufen. Hallo? Da haben andere Mütter aber deutlich attraktivere Töchter. Da musst du etwa nur mal bei Fuji vorbeischauen (bin ja insgeheim ein stiller Fan von Fuji). Mein „Haben-Will-Gen“ jedenfalls, sonst ein untrüglicher Hinweis auf spannende Sachen, hat bei Kameras komplett geruht. Es hat nur bei Objektiven ein paar mal ein Augenlid angehoben, als mein limbisches System die E-Mount Voightländer 15 und 10 mm erspechtete, oder alle Zeiss‘ Batis an der Sony A7, oder Sigmas neues 12-24 mm Art für Vollformat. Ich war auch gespannt auf Samyangs AF-Festbrennweiten für die Sony. Leider hatte die drangesteckte A7 erhebliche Probleme überzeugend den Fokus zu finden, oder es war das Objektiv. Egal, auf jeden Fall hörte sich das nach harter Arbeit an und hat (zu) lange gedauert.

Ich schaue ja gerne bei den „Kleinen“ vorbei. Die hausen in einer der weißen Standardausstellerboxen mit Holzboden, einem Stuhl, einem Tisch, darauf zwei Blitzgeräte, daneben ein Stapel Prospekte in chinesisch oder koreanisch oder japanisch (ich kann das nicht unterscheiden), daneben Businesskarten, eine Flasche Wasser und eine Tupperbox voller Nudeln und ein strahlender Anbieter. Du hast nur kurz Augenkontakt mit einem der Blitze und schon wirst du mit einer Verbeugung angesprochen. Ich wünsche euch wirklich viel Erfolg.

Da ich die Hardware schon früh abgehakt hatte, habe ich mich den Bildern gewidmet. Jede der großen Kamerafirmen hatte ihre Bildergalerie. Großformatige Photos, gemacht von einem wohl bekannten Photografen und natürlich mit einer Kamera des jeweiligen Herstellers. Großformatig heißt, dass die kurze Kante mindestens 1m oder so hatte. Darüber, ob das jetzt tolle Bilder waren kann man sich streiten; die tollsten gab’s bei Leica. Darum geht’s mir jetzt auch gar nicht. Alle Photos waren natürlich technisch astrein, insbesondere was Schärfe und optische Auflösung anbelangt. Und zwar – und jetzt kommt’s – egal ob mit einem Vollformat- oder APS-C- oder MFT-Sensor aufgenommen. Du könntest Bilder etwa einer A7r, einer D500 und einer Oly M1 nebeneinander hängen und du würdest keinen Unterschied sehen. Es gibt jetzt dafür zwei Erklärungsmöglichkeiten. Erstens, es wurde gemogelt, oder aber – und das gefällt mir viel besser – zweitens, die Kameras liegen bildqualitativ alle gleich auf! Die Unterschiede reduzieren sich heutzutage ausschließlich auf die jeweiligen, eben nicht weg zu bringenden physikalischen Grenzen, die sich aus der unterschiedlich großen Sensorfläche und der Pixeldichte ergeben. Es hat hier im Netz jemand geschrieben, dass der Unterschied zwischen den „größeren“ Sensorsystemen „eine Blende“ ist. Um die gleiche Schärfentiefe wie bei Vollformat zu erhalten (bei gleichem Bildwinkel), muss bei APS-C um eine, bei MFT um zwei Blenden aufgeblendet werden (das ergibt sich aus dem Cropfaktor). Das Rauschen eines MFT-Sensors bei 1600 ASA entspricht in etwa dem eines APS-C-Sensors bei 3200 ASA und in etwa dem eines Vollformatsensors bei 6400 ASA. Der Rest ist Software. Ein schöner Gedanke.

Mein Fazit: es war schön, dass ich den ganzen Kram mal in die Finger bekommen konnte. Das wird ja im wahren Leben immer schwieriger. Fotoläden mit umfangreichem Sortiment findest du ja kaum noch, und es werden immer weniger. Wir haben hier im Rhein-Maingebiet ein oder zwei, und die Voightländerobjektive etwa hat hier keiner in der Vitrine. Prima waren auch ein paar Diskussionen, für die es an manchen Ständen noch Zeit und Interesse gab. Besonders aufgeschlossen waren wie vor 2 Jahren auch die Leute von DxO. Ich glaube einfach, die Zeit der Knaller ist vorbei. Die Anzahl der Varianten ist begrenzt, und jeder Hersteller beherrscht sie. Die Ausrüstung wird einheitlicher und die Unterschiede unschärfer. Ich hatte eigentlich vor, ein zweites Mal diese Woche hinzufahren. Aber das werde ich lassen.

Ein paar Bilder gibt es hier:

Check Objekitvlinie bei Zeiss Canon caputt file ins Wasser auf der KameramessePauseevo to revoaus der Leicagallerie