Am Computer

Bei all dem Fotosoftwaregedöns in der langen Liste unten müßt ihr immer bedenken, dass ich Amateur bin. Das heißt, ich habe alle Zeit dieser Welt und bin in der glücklichen Lage, ungestraft alles ausprobieren zu können. Es sitzen mir keine Kunden im Nacken und ob ich für ein Bild eine Viertelstunde brauche, weil ich alles mögliche damit anstellen will, interessiert keinen. Ich komme aus der Schwarz-Weiß-Dunkelkammer, kenne daher den Aufwand sehr genau, der nötig ist, um einen ordentlichen Abzug zu erhalten. Weiß der Kuckuck, wieviele tolle Bilder mir durch die Lappen gegangen sind, bloß weil ich den Aufwand nachher in der DuKa gescheut habe. Deshalb ist die digitale Photografie für mich eine wahre Offenbarung und das Spielen mit den verschiedenen Softwaren ein Spaß erster Güte.

Also gut.

Obwohl großer Apple-Fan passiert meine Bildbearbeitung mit einem Windows7-Rechner. Vergleichbar gerechnet mit den Leistungsdaten des WIN-Rechners wäre auf dem Preisschild eines entsprechenden Macs ein 4stelliger Eurobetrag mit einer richtig großen 3 an der ersten Stelle gestanden. So weit geht die Liebe dann nun doch nicht. So bin ich seit nun mehr als 5 Jahren sehr zufriedener Nutzer einer Maschine mit WIN7 Prof/64bit, einem schnellen I7-Prozessor, 16 GB Hauptspeicher (die tatsächlich überdimensioniert sind: 8 GB reichen völlig), einem 128GB SSD als „C-Platte“ und zwei 2TB-Festplatten, die im Raid1-Verbund miteinander reden. Das ganze steckt in einem Gehäuse mit einem Lüfter so groß wie ein Kuchenteller, was ihn sehr leise macht. Dazu einen 27 Zöller von Dell, den ich mit der Spyderspinne regelmäßig kalibriere, Funktastatur und -Maus und einem A5 Wacom-Tablett. Das isses und um Hardware brauche ich mich nicht mehr zu kümmern.

Bei der Bildbearbeitung dreht sich bei mir alles um Adobes Lightroom (jetzt LR genannt) in der aktuellen Version. Ich benutze LR von Anbeginn an, bin ein paar mal erfolglos fremdgegangen und immer reumütig wieder zurückgekehrt. LR ist sozusagen das Zentrum meiner sternförmigen Softwareorganisation. Ich kann hier heraus zu anderen EBV-Softwaren springen, etwas mit dem Bild machen und das Ergebnis wird an LR zurückgegeben.

Mein Workflow ist eigentlich immer derselbe: alle Bilder werden von der Karte auf den Rechner kopiert. Mit Irfanview (der kann alles, quasi das Schweizer Messer) wird die erste Vorauswahl getroffen: alle technisch schlechten Bilder fliegen sofort raus. Von Doubletten (der Sicherheitsschuss hinterher) bleibt ein Bild übrig, von Mehrfachschüssen desselben Motivs höchstens 2. Der Rest wird gelöscht. Ich bin ein sehr effizienter Heraussortierer und kann leicht wegwerfen. Die verbleibenden Bilder schicke ich (außer Panos, HDRs und Bilder, über die gerne die gesamte Kontrolle haben möchte) dann durch den DxO Optics Pro im Stapelbetrieb (sofern ein Profil existiert) und importiere die DNG-Ergebnisse in den LR. Ich hatte zu Anfang neben dem DxO-Ergebnis noch das Original-RAW in LR gestellt, die jeweiligen gleichen 2 Bilder nebeneinander gestellt und entschieden, mit welchem ich weiterarbeiten will. In der Regel hat das DxO-DNG „gewonnen“, also mache ich das nicht mehr. Die HDRs und Panos importiere ich direkt und verarbeite sie aus LR heraus in den entsprechenden Spezialsoftwaren. Bin ich fertig, werden die Bilder als JPEGs und 100% Qualität exportiert, die DxO-DNGs weggeworfen und die Original-RAWs in der Regel auch.

Schön, also welche Softwaren verwende ich: NB: Nik Software gehört seit 2012 zu Goggle und firmiert im Netz als Google Nik Collection. Sie bieten alle Softwaren als Paket für 149 Dollar an; preislich ein Schnapp. Frage ist, wie lange noch.

Adobe Photoshop Lightroom 6 (seit Mai 2015)

mein Bearbeitungszentrum. Absolut logisch aufgebaut und ab der Version 4 endlich mit vernünftigen Reglern und Reglerbezeichnungen: Lichter, Tiefen, Weiß, Schwarz. Bingo und aus, und kein „Wiederherstellen“ mehr. LR ist sehr prozessorintensiv. Ein schneller Prozessor drückt ordentlich aufs Gas. Ich halte keine Bilder im Katalog vor. Ich gehe nur rein in den LR für die Bearbeitung, dann wird exportiert und sich aus LR verabschiedet. Wichtig ist das Verschlagworten der Importe, sonst verliert ihr schnell die Übersicht, wenn ihr mehrere Serien gleichzeitig bearbeiten wollt. Genial ist das Konzept der Virtuellen Kopie, mit dem ihr euch einfach eine Kopie des Bildes erstellen könnt. Das verwende ich dann, wenn ich verschiedene Versionen haben möchte. Shortcut ist Strg-T. Der zweite wichtige Shortcut ist Taste „L“; sie dunkelt den Bildschirm um das Bild herum in mehreren Stufen ab. Ist sehr hilfreich beim Zuschneiden; du wirst nicht abgelenkt beim Betrachten des zuzuschneidenden Bildes.

16.05.2015: Ich habe auf LR6 aufgerüstet. Zuerst mal als Testversion den LR CC, also die Abo-Version. Die Installation hat klaglos funktioniert, und alle PlugIns und Zusatzmodule hat LR CC wieder gefunden und implementiert. Schön ist die neue Maskierung. Davon, ob er nun schneller als LR5 ist, merke ich eigentlich nichts. Auf jeden Fall ist er nicht langsamer. Ich hatte mich schon mit dem Gedanken angefreundet, nun auch für knapp 12 Euronen das Abo zu nehmen, bis ich dann per Zufall gelesen habe, dass Menschen, die eine aktuelle Leica haben, eine Lizenz für umme bekommen. Bingo, jetzt habe ich eine Seriennummer und konnte aus LR CC einen LR6 machen. Ich werde dabei bleiben. Der 5er ist schon de-installiert. Ich hatte auch LR mobile auf dem iPhone. Aber ich konnte mich damit nicht anfreunden, brauche es auch nicht, und außerdem geht es mit LR6 nicht.

Adobe Photoshop CS5

CS5 langweilt sich mit mir. Ich nutze nur einen Bruchteil der Möglichkeiten. Aber ich bin auch kein Composer, der aus einem fotografierten Bild etwas ganz anderes machen kann. Nicht mein Ding. Ich nutze CS5 eigentlich nur, wenn ich Ebenen brauche, was auch so ziemlich das einzige ist, was ich halbwegs verstehe. Ansonsten doch noch zum Manipulieren, also das Eliminieren von Dingen, die ich nicht im Bild haben will. Das ist in LR nicht ganz so einfach. Aber das isses dann auch.

Adobe Photoshop Bridge

eigentlich keine eigenständige Komponente, und nur zusammen mit CSx oder älteren Elements auf Mac, aber ich erwähne sie hier explizit, schlicht weil sie genial ist. Mein „Diasortiertisch“. Die Sortierung ist ruckzuck geändert, dann wird das Ergebnis entsprechend umbenannt und die Welt ist in Ordnung. Vergleichbares geht nur mit der Schnellsammlung in LR, aber bei weitem nicht so elegant. Sehr bedauerlich, dass Adobe die Bridge nicht als eigenes Produkt anbietet.

Nik Silver Efex Pro 2

einfach nur genial. DIE softe Ware für schwarz-weiß und ein beträchtlicher Teil (der immer größer wird; derzeit gut die Hälfte) meiner Bilder ist in schwarz-weiß. Silver Efex hat tolle Presets und das Konzept der Kontrollpunkte ergibt Möglichkeiten, die LR nicht hat. Du kannst Farbfiler einsetzen, „analoges“ Korn produzieren und Colorierungen vornehmen, dass es eine wahre Freude ist. Mit den Filmtypen kann ich hingegen weniger  anfangen. Ich kannte Ilfords FP4, HP5, Pan F und die Deltas ziemlich gut, ich habe schließlich auch die Entwicklungsdose geschwenkt, aber irgendwie sahen die meinen damals anders aus. Geradezu genial ist die Zonenanzeige. Jede einzelne Zone kann mit Kontrollpunkten bearbeitet werden. Wow!

Nik HDR Efex Pro                                                                                               Photomatix Pro

Photomatix habe ich schon lange, HDR Efex Pro kam 2012 dazu. Beide gehen aus LR heraus prima. Photomatix ist deutlich mächtiger, wenn es um die Einstellmöglichkeiten geht und darum, richtig fiese HDRs zu machen. HDR Efex Pro ist die Wahl, wenn ich dezent arbeiten will, d.h. das HDR soll möglichst natürlich aussehen. Beide sind toll und sicherlich ist es eine Sache der persönlichen Vorlieben, mit was man lieber arbeitet.

Nik Viveza 2

die Entdeckung es Jahres 2012. Viveza läuft als PlugIn zu Lightroom. Bin ich eher zufällig drauf gestossen bei einem Vortrag auf den Leicatagen in Wetzlar. Mit den Kontrollpunkten ergeben sich Möglichkeiten, die LR einfach nicht hat (das ist in Ordnung so; das Konzept ist ein anderes). Viveza 2 ist für mich DIE Ergänzung zu LR.

DxO Optics Pro

steht  in der Regel am Anfang meines Workflows. Ich brauche die Eliteversion. So gesehen ist es schon ein dickes Ei, dass du für diesselbe Funktionalität das Doppelte zu zahlen hast, bloß weil du eine Kamera hast, die DxO eigenmächtig als Profikamera einstuft. Wie auch immer, die Software hat es in sich. Ich bin von den Ergebnisen über die Profile schon ziemlich angetan. Einziger Wermuthstropfen ist, dass DxO einigermassen brutal nachschärft und es mit der Klarheit schonmal übertreibt. Vielleicht haben Franzosen da einen anderen Geschmack. Da muss man manchmal individuell ran. Die Einzelbearbeitung nutze ich trotzdem selten. Andererseits war DxO aber schon mehrfach die Rettung, wenn anderes gar nicht mehr ging. Hierzu ist es praktisch, dass direkt aus LR heraus in den DxO gesprungen werden kann, und das Bild nach der Verarbeitung wieder in den LR-Katalog zurückgegeben wird. Ich schicke meine Bilder aber meist quasi im Stapel durch den DxO und dafür braucht es einen schnellen Rechner. DxO braucht Prozessorpower, hingegen eher wenig Hauptspeicher. Mein alter XP-Rechner brauchte für 100 D700-NEFs schonmal anderhalb Stunden, und der Rechner war praktisch tot. Nicht einmal der Bildschirmschoner hat sich bewegt. Mein I7 hier macht das ganze in unter 30 Minuten, dann hat sich DxO aber auch alle Kerne gekrallt, alles andere steht in der Warteschleife und das Prozessorthermometer fiept panisch. DxO hat das Konzept, dass du nur 2 Lizenzen verwenden kannst. Als mein damaliger Hauptrechner das Zeitliche segnete, lernte ich die wirklich hervorragende Hotline von DxO kennen. Die sind echt kundenorientiert, reagieren schnell und wenn du Fragen hast wird dir schnell geholfen. Ein eindeutiges Plus für DxO.

DxO FilmPack

Hierzu bin ich erst im vergangenen Jahr 2014 gekommen. Ich hatte solchen Filmsimulatoren eigentlich eher misstraut. Silver Efex kann das auch. Nur sahen meine FP4 oder HP5 immer anders aus. Aber auf der Suche nach dem schwarz-weißen Leica-Look bin ich hier fündig geworden. Der simulierte Agfa APX 25 kommt dem am nächsten. Tiefes Schwarz und strahlendes Weiß. Mit den farbigen Vorlagen kann ich wenig anfangen. Das mache ich lieber nur im Lightroom. Die Vorschaubilder im FilmPack sind auf dem 27er Bildschirm schon so groß, dass man einigermaßen beurteilen kann, wie das fertige Bild aussehen wird. Und da habe ich doch noch ein paar Looks insbesondere bei Ilford gefunden, die mir gefallen. Wie bei Optics Pro kann ich auch aus LR direkt in den Filmpack springen.

LightZone 4

fügt sich wunderbar in Lighroom ein.  Die Software war lange verschollen, da es LightCraft in der Form nicht mehr gibt. Jetzt wird sie hier http://lightzoneproject.org/ im Rahmen eines Open Source-Projektes zum Download angeboten. LightZone hat tolle Presets, aber das wirklich geniale ist die Zonenanzeige, von der du jede einzelne gezielt bearbeiten kannst. Während Silver Efex das halt nur in schwarz-weiß macht, kann Lightzone das in Farbe. Nochmals ein Wow.

PTGui

meine erste Wahl um Panos zu bauen. Photoshop kann das auch, sogar Elements, aber PTGui ist deutlich mächtiger und du bekommst noch Bilder zusammengenäht, an denen Elements scheitert.

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